Karsee

Vorwort vom Chronisten Walter Scheffold im Oktober 2020

Die Chronik von Karsee

Seit dem Jahre 1995 beschäftige ich mich mit der

Chronik von Karsee. Zuvor hat sie Lehrer und Rektor Ernst Praschak geführt. Als Chronist möchte ich mich heute wieder in Erinnerung bringen und auch Besonderheiten über unseren Ort vorstellen.

Unsere Ortschaft Karsee besitzt eine Chronik, die zur Zeit in 31 Leitzordnern festgehalten ist. nicht nur über das Geschehen in Karsee selbst, sondern auch über sonstiges aktuelles Weltgeschehen. Seit ich jetzt in Rente bin, habe ich auch von einzelnen Gehöften unserer Gemeinde deren Geschichte zusammengeschrieben. Da ist zum Beispiel die Geschichte von Englisweiler, unserem ältesten Weiler, der erstmals in einer Urkunde in lateinischer Sprache vom Jahre 861 erwähnt ist. Weiter gibt es die Geschichte von Brenner, Edengut, Edenhaus, Eggenreute, Felbers, Haag, Hartmannsberg, Kohlhaus, Luß, Oberhof, Ruzenweiler, Siggenhaus, Sommers, Spiegelhaus, Unteregg. Fortsetzungen können folgen. Die umfangreichste Geschichte ist die von unserem Ort Karsee selbst mit 160 Seiten und Kopien. Diese „Geschichte von Karsee" möchte ich in den kommenden Mitteilungsblättem der Ortschaft vorstellen, jedoch nur den von mir geschriebenen Teil. Die Gründung der politischen Gemeinde Karsee habe ich im Übrigen im roten Buch „Karsee nicht nur 50 Jahre" beschrieben. Dieses Buch kann im Karseer Rathaus erworben werden. Außerdem hatte ich zur 800-Jahrfeier der Weihe unserer Kirche im Jahre 1994 eine Festschrift verfasst, die eventuell nochmals veröffentlicht und erworben werden könnte. Wenn jemand an den einzelnen „Geschichten" Interesse hat, möge er sich bei mir melden, Die ganze Geschichte von Karsee könnte dann in Form eines kleinen Buches herausgegeben werden.

Walter Scheffold

Am Kirchberg 5

88239 Wangen-Karsee

Telefon: 07506/224

 

Die Geschichte von Karsee - Zeittafel

Die Geschichte von Karsee

Zeittafel

 

  01.04.861 König Ludwig (der Deutsche), König des Ostfränkischen Reiches, bestätigt einen Tausch zwischen Abt Grimaldus vom Kloster Sankt Gallen und Graf Konrad über eine Kirche und einen Hof zu „Eigileswilare" (Englisweiler)
 14.04.870 Kaufvertrag eines Sigibert vom Argengau mit dem Abt Grimaldus vom Kloster St. Gallen, abgeschlossen auf dem Gut „Ruadgozzeswilare" (Ruzenweiler)
          1190 Beginn des Baus der Kirche im Dorf beim Karsee
          1194 Weihe der Kirche zu Karsee durch den Bischof von Konstanz und Abt von Reichenau, Bischof Diethelm von Krenkingen  
  April 1245 Graf Berthold von Heiligenberg schenkt Güter in „Etechenruti" (Eggenreute) an das Kloster Baindt
18.08.1275 die Äbtissin des Klosters Baindt verkauft alle Güter in Ethechenruti (Eggenreute) an das Kloster Weingarten
          1275 der Pfarrer und Rektor von Opfenbach ist Pfarrverweser von Karsee, erstmalige Erwähnung von „Carse" im liber decimationis, dem Buch der Abgaben an die römische Kurie
31.10.1289 Graf Rudolf von Montfort übereignet auf Bitten des Truchsessen Eberhard von Waldburg einige Lehensgüter in Karsee eines Ritters von Burgelitz dem Abt Hermann von Bichtenweiler des Klosters Weingarten
          1294 Ritter Hartmann von Prassberg verkauft sein Gut zu Karsee mit dem Kirchensatz (Patronatsrecht der Kirche), mit einem See, dazu den Hof Unteregg an das Kloster Weingarten
          1490 Bischof Daniel von Konstanz weiht Kirche und Friedhof in Karsee neu ein
          1555 Pfarrer Konrad Lang beschreibt die Pfarrgüter von Karsee (Urkunde im Hauptstaatsarchiv Stuttgart)
          1691 Pfarrer Joseph Benedikt Feuerstein von Karsee findet die erste Chronik von Karsee sowie ein Taufregister in einer Kiste im Boden vergraben und beginnt eine neue Chronik = „Urbarium de Parochia Karrsee anno 1691 "
          1700 Erweiterung der Kirche zu einem Langhaus sowie Anbau einer Sakristei, die bisher im Turm war
22.06.1703 Gründung der Bruderschaft zur Heiligen Familie, Jesus, Maria und Josef, und Bestätigung durch Papst Klemens XI, unter Pfarrer Feuerstein
          1750

In Eggenreute wird auf Veranlassung des Abts Dominikus Schnitzer vom Kloster Weingarten ein Zehntstadel erbaut für die Abgabe des Zehnten an das Kloster

  1. Die Kreuzwegstationen dürfen vom Friedhof in die Kirche verlegt werden
  2. Einbruch in die Kirche, 2 Kelche werden gestohlen. Pfarrer Greyßing schafft einen neuen Kelch an, lässt die Monstranz erneuern und vergrößern und mit einer Gravur versehen
 
17.02.1780

Pfarrer Greyßing erhält für die Kirche Karsee eine Reliquie des hl. Kilian aus Würzburg mit Urkunde

  1. Renovierung von Kirche , Sakristei und Friedhof
  2. neue Orgel angeschafft unter Pf. Greyßing
 
13.10.1800 über das Kloster St. Gallen erhält Karsee eine Reliquie der hl. Ursula um 1800 Karsee bleibt von Napoleon und den französischen Soldaten verschont
26.01.1801 Goldenes Priesterjubiläum von Pfarrer Franz Joseph Jakob Greyßing
Sept. 1822 Bau eines neuen Pfarrhauses
22.02.1823 Pf. Greyßing stirbt im Alter von 96 Jahren in Pfärrich und wird dort begraben
09.09.1831 in der Kirche wird ein Christus (Geißelheiland) hinter einem Gitter angebracht
  Juni 1834 Kirche ausgeweißelt, die Friedhof-Ringmauer ausgebessert und mit einem Plattendach versehen, eine steinerne Treppe am Aufgang zur Kirche hergestellt anstelle der Hölzernen
          1835 dem Pfarrer Schmidt wird eine Holzremise mit Schweinestall gebaut, das heutige Pfarrschöpfle
          1837 Erweiterung des Gottesackers (Friedhof), das Kameralamt Weingarten kaufte dafür den Platz, der dem Wirt Isidor Nonnenmacher gehörte
20.07.1842 Mesner und Schulmeister Meinrad Meichtele gestorben, er war von 1801 — 42 der erste Lehrer in Karsee
03.12.1842 Schuss ins Fenster des Pfarrhauses bei Pf. Schmidt, nachts um 1/2 ! Uhr
06.07.1844 dem Pfarrer Schmidt werden nachts 200 Krautsköpfe abgehauen, 114 Rüben und 375 Kohlraben ausgerissen
          1844 Vergoldung der Sonnen-Monstranz
           1845 Turmuhr renoviert
           1847 Orgel ausgebessert und mit mehreren hölzernen Pfeifen versehen
          1848 Hochaltar neu gefasst mit neuem Altarbild
   Okt. 1852 neues Schulhaus und Ökonomiegebäude fertiggestellt
          1854 Kirche renoviert und mit neuen Fenstern versehen
          1856 durch Orgelbauer Link von Giengen an der Brenz „neue Orgel gesetzt"
24.08.1873 Primiz von Josef Fricker von Oberhalden
          1877

Abänderung und neue Fassung der Kanzel

  1. Vortragskreuz für Prozessionen erneuert
  2. neue Turmuhr von Johann Georg Hämmerle , Gemeindepfleger in Leupolz Juli 1883 Reparatur der Orgel durch Orgelbauer Scheffold in Biberach
 
   Juli 1885 neues Hochaltarbild von Moric Jacob, Maler aus Wangen, damals wohnhaft in Ravensburg
         1887 neue Statuen von Kilian und Ursula, Kirchturm erhält goldenes Kreuz und Wetterfahne
08.12.1901 Brand des Mesnerstadels
          1903 Außenrenovierung von Kirche und Turm
          1903 Bei Ausgrabungen im Garten des Bauern Diem in Englisweiler stößt man auf gut erhaltene Fundamente. Man vermutete, dass sie von einer Kirche oder Kapelle stammen könnten; schließlich steht auch bereits in der Urkunde von 861, dass in Eigileswilare eine Kirche (unam basilicam ) und ein Haus mit einem Hof bestanden habe.
01.12.1903 erstes Telefon in Karsee bei Kaufmann Hämmerle
          1904 die „ziemlich heruntergekommene Orgel" wird von Firma Link renoviert, Register Gamba ausgebaut, 2 neue Register (Aeoline und vox celeste) eingebaut.
15.05.1904 Primiz von Pater Jakob Peter von Oberwies
25.09.1905 2 neue Fenster von Hofglasmalerei Fr. X. Zettler in München eingebaut
20.05.1906 weitere Fenster eingebaut
20.05.1906 Einweihung einer Lourdesgrotte am Kirchturm unter Pfarrer Münst
27.05.1907 Glockenweihe (Töne d, e. fis, a), Glockengießerei Hamm in Augsburg nimmt die 3 alten Glocken zurück, die mittlere von 1680, die kleine und die große von 1739
10.06.1907 Blitzeinschlag in den Glockenturm ohne Folgen
         1908 Blutfreitag — 20 Reiter aus Karsee nehmen am Blutfreitag in Weingarten teil; nach den Unterlagen des Klosters Weingarten hat sich die Karseer Reitergruppe bereits 1906 am Blutritt beteiligt.
         1914 neuer Traghimmel (Baldachin) für die Fronleichnams-Prozession
26.07.1914 Primiz von Georg Diem in Karsee, Ausbruch des ersten Weltkrieges
  Okt. 1914 Marienbild von der Immerwährenden Hilfe angeschafft, berührt am Original in St. Maria Maggiore in Rom, geweiht von Papst Benedikt XV, gestiftet in Karsee von Frauen, deren Ehemänner und Söhne in den Krieg eingezogen wurden und die alle wieder zurückgekehrt sind. Keine Ablieferung der Glocken für den Krieg
   Juli 1916 neue Statue des hl Josef für den Seitenaltar
  Okt. 1916 neuer Tabernakel
 Dez. 1918 St. Anna Selbdritt als Relief (Wandtafel)
   Mai 1920 neue Uhrentafeln am Turm
21.09.1921 Schwesternstation für Karsee vom Kloster Reute eingerichtet mit Schwester Tolentina und Edelburgis
26.03.1922 Gründung eines Krankenpflegevereins
30.07.1922 Primiz von Michael Pfau von Schweinberg
          1923 die Schwestern ziehen ins Ausgedinghaus von Pfarrer Diem, da „bei der Stimmung der Ältesten der Gemeinde ein Neubau (eines Schwesternhauses) kaum durchführbar war
  Juni 1923 Einrichtung des elektrischen Lichtes in Kirche und Pfarrhaus
 Nov. 1923 Währungsreform
 Dez. 1923 zu Weihnachten neuer Marienaltar wird auf die Männerseite (rechts) verlegt
          1924 mit der allgemeinen Pensionierung von Beamten wird auch Oberlehrer Wendelin Stier pensioniert
22.10.1925 Wirtschaft von Glatz in Karsee abgebrannt
28.04.1927 Primiz von Fridolin Stier von Oberhof
Frühj. 1928 Omnibusverkehr eingerichtet zwischen Wangen — Leupolz — Karsee zum Wochenmarkt am Mittwoch,                                                                                                                                     bisheriges hölzernes Vorhaus an der Kirche wird durch ein steinernes ersetzt
          1932 Innenrenovation der Kirche                                                                                                                                                                                                                                                                 Nachprimiz von Pater Richard Mohr von Endersen am 2. Sonntag nach Ostern
23.05.1937 Einweihung der Christkönigssäule bei Oberwies
30.06.1937 alte Sakristei abgebrochen, die neue Sakristei ist doppelt so groß
         1938 erstmals Öschprozession mit den Blutreitern zum Christkönigsberg , diese wurde auch während des Krieges jedes Jahr abgehalten, die Fronleichnamsprozession war verboten
04.09.1938 erstes Kirchenblatt für Karsee
  Jan. 1939 Religionsunterricht und Proben des Kirchenchors werden während des Krieges in der Sakristei abgehalten
 01.02.1939 die Schwestern übernehmen den Mesnerdienst
 19.09.1939 Glocken mit elektrischem Läutewerk versehen
Herbst 1939 Blasebalg für Orgel mit Motor und Erneuerung der Orgel mit Verlegung des Spieltisches an die Seite der Empore
 01.10.1940 Anna Grabherr von Endersen wird Organistin und Chorleiterin
           1941 zum Passionssonntag 1941 wird die renovierte Orgel wieder eingebaut
26.02.1942 drei Glocken werden für den Kriegsdienst eingezogen und mit Pferdeschlitten nach Ravensburg gefahren
31.08.1952 Weihe von 4 neuen Glocken durch Pfarrer Schwarz, die alte kleine Glocke wurde zurückgegeben an die Glockengießerei Hamm in Frankenthal/Pfalz
01.10.1952 Gründung der selbständigen politischen Gemeinde Karsee
22.01.1953 neue Turmuhr von Firma Hörz in Ulm, da „die alte Leupolzerin" von 1882 altersschwach war
24.07.1955 Primiz von Karl Joos von Siggenhaus
          1956 Kirche wird unter Pfarrer Achim von Arnim um 4 Meter nach hinten verlängert mit neuen Eingangstüren an der rechten und linken Seite.                                                                                        Bei der Innenrenovation wird ein Fresko aus dem Hochmittelalter im Chorraum wieder entdeckt und freigelegt.
    Juli 1957 Neues Deckengemälde (Flucht nach Ägypten) vom Wangener Maler Josef (Beppo) Braun
29.03.1959 Primiz von Erwin Mock von Karsee — Grub
11.04.1959 Pfarrer Dr. Achim von Arnim gestorben
28.05.1960 Einweihung des neuen Jugendheimes, Hariolf-Ettensberger- Haus, erworben durch die Christ-Königs-Pfarrei in Ravensburg
April 1962 neuer Glockenstuhl mit Stahlbetondecke eingebaut
Dez. 1962 nach dem Tod von Schwester Gwendolina wird Schwester Novella ins Kloster Reute zurückgerufen und die Schwesternstation in Karsee aufgelöst
1962 zu Weihnachten werden neue Kreuzwegstationen von Restaurator Hammer aus Ulm angeschafft
12.07.1964 Einweihung des neuen Kriegerdenkmals im Friedhof
01.12. 1964 Schwester Cilli Nadig übernimmt die Krankenpflegestation und den Mesnerdienst
Mai 1965 Abbruch des alten Jugendheims an der Kiesgrube hinter dem Haus Pfau
April 1966 Pfarrscheuer wird umgebaut zum Jugendheim mit Hilfe der katholischen Landjugend Karsee und der Pfarrei Ulm-Böfingen
01.03.1973 Pfarrer Johannes Müller verlässt als letzter Pfarrer von Karsee die Gemeinde
19.12.1976 erstmals Firmung in Karsee durch Prälat Max Müller, Pfarrverweser war Pfarrer Kling aus Waltershofen
1978/79 Teilsanierung der Friedhofmauer                                                                                                                                                                                                                                                      Erschließung der Siedlung „Am Kirchberg"
14.06.1981 erstmals Prozession zum Christkönigsberg vom Kreuz Pfau aus mit Bergmesse am Sonntag
27.09.1981 Innenrenovation der Kirche elektronische und mechanische Sicherung der Figuren
14.08.1983 Prozession am Sonntag und Messe auf dem Christkönigsberg aus Anlass der 75-Jahrfeier der Blutreitergruppe Karsee
27.11.1985 Außenrenovation von Kirche und Turm
12.03.1989 Auflösung des Krankenpflegevereins Karsee
03.08.1989 Teilabriss und Neubau der südöstlichen Friedhofsmauer
Feb. 1990 Erschließung der Siedlung „Beim Pfarrstadel"
19.01. 1992 Einweihung des neuen Pfarrsaales Im Pfarrhaus
10.07.1994

800-Jahrfeier der Weihe der Karseer Kirche, geweiht durch den damaligen Konstanzer Bischof Diethelm von Krenkingen im Jahre 1194

  • Do. 7. Juli — Dankgottesdienst
  • Fr. 8. Juli — Bittprozession auf den Christkönigsberg  So. 10. Juli — Festgottesdienst und Gemeindefeier mit Weihbischof Dr. Kreidle
 
Juli 1995 Die Stadt Wangen kauft ein Grundstück oberhalb des bisherigen Friedhofs für eine künftige Friedhofserweiterung mit Aussegnungshalle
18.10.1997 Die beiden 30 m hohen Zypressen in der oberen und unteren Ecke des Friedhofs werden gefällt, da sie die Mauer auseinanderdrücken.
11.11.1997 Der Klöppel der zweitgrößten Glocke ist abgebrochen
07.04.1998 Neue Klöppel für alle 4 Glocken
15.11.1998 Isolierung des Daches der Sakristei
Mai 1999 Sanierung der linken westlichen Außenmauer der Kirche mit Grund- und Stützmauern; Beginn der Innenrenovation der Kirche, Erweiterung des Altarraumes mit neuem Altar und Ambo aus rötlich-braunem griechischem Argos-Marmor
05.09.-06.12. 1999 Sonntagsgottesdienste in Leupolz,Werktagsgottesdienste im Pfarrsaal Karsee da während der Sanierung der ganze Innenraum der Kirche eingerüstet ist
26.12.1999 Der Orkan „Lothar" zerstört am 2. Weihnachtsfeiertag den ganzen Wald der Kirchengemeinde bei Albishaus
02.04.2000 Weihe des neuen Altars durch Weihbischof Franz Josef Kuhnle
21.05.2000 Segnung des neuen Dorfbrunnens beim Rathaus
Juni 2000 Auffrischung des Freskos, der Wandmalerei im Altarraum der Kirche aus dem Hochmittelalter (vor 1400) mit 6 Bildern
16.08.2000 neue Läutemotoren für die 4 Glocken
26.11.2000 Kirchenkonzert mit Musikkapelle und Kirchenchor zugunsten der Kirchenrenovation                                                                                                                                                                Unsere älteste Chronik „Urbarium de parochia Karsee von 1691" wird vom Diözesanarchiv Rottenburg als Kopie zurückgegeben.
Mai 2002 am Pfarrhaus Dachisolierung, Trockenlegung und Sanierung der Außenmauer
01.06.2003 nach Pensionierung von Pfarrer Josef Selig gehört die Pfarrei Karsee jetzt zur Seelsorgeeinheit Wangen, sogen. Nördliche SE mit St. Ulrich Wangen, Karsee und Leupolz               Einrichtung eins Pfarrbüros im Pfarrhaus Karsee mit Pfarramtssekretärin
Juli 2005 Spatenstich für neues Baugebiet „Bergesch"                                                                                                                                                                                                                           Einweihung des Rad- und Gehweges Karsee — Leupolz
04.12.2005 Kirchenkonzert zugunsten einer neuen Aussegnungshalle
Herbst 2007 Größere Schäden festgestellt an Decke und Dachkonstruktion der Kirche
19.11.2007 das Bruderschaftsbuch von Karsee wird aus dem Diözesanarchiv Rottenburg zurückgegeben (restauriert und neu gebunden). Pfarrer Benedikt Feuerstein hat es am 20. 6. 1703 begonnen, es wird jetzt weitergeführt.
14.06.2008-03.05.2009 Bau einer neuen Aussegnungshelle
    14.04.2009-Mai 2010 Sanierung und Renovierung von Decke und Dach der Kirche und des Turmes

 

Die Geschichte von Karsee

Die Geschichte von Karsee

Für die Geschichte unseres Dorfes Karsee und der früher und jetzt dazu gehörenden Gehöfte haben wir schon immer unsere älteste Pfarrchronik von 1691 zu Rate ziehen und sie auch als geschichtliches Dokument zugrunde legen können. Nach diesen Aufzeichnungen beginnt die Geschichte von Karsee mit dem Kirchenbau im Jahre 1190, selbst wenn hier zunächst eine Legende vorangestellt wird. Danach wurde das Holz für den Kirchenbau einige Male von einem höheren und außerhalb gelegenen Ort in den eigentlichen Ort Karsee im Tal unten auf unerklärliche Weise hin und her transportiert. Es gibt wohl kaum eine andere so kleine Gemeinde, die auf eine mehr als 800-jährige Geschichte zurückblicken kann. Bisher sind zwei ältere Zeugnisse aus unserem Gemeindegebiet bekannt, von denen die eine Urkunde am 1. April 861 angefertigt wurde und die bestätigt, dass unser Gehöft Englisweiler, damals „Eigileswilare" genannt, zu jener Zeit aus einer Kirche und einem Hof bestanden hat. Die zweite Urkunde stammt vom 14. April 870 und erwähnt das Gehöft Ruzenweiler, genannt „Ruodgozzeswilare". Diese beiden Höfe sind die einzigen in unserem Gemeindegebiet, die als Weiler (wilare) bezeichnet werden, nämlich der Weiler des Eigil und der Weiler des Ruadganz oder Ruodgozz. Zur Siedlungsgeschichte unseres Allgäuer Gebietes sagt Rudolf Fesseler folgendes: „ Als zwischen 700 und 850 die Wälder des Argen- und Laiblachtales gerodet wurden, entstanden dort „Großhöfe", häufig mit der Namensendung „wilare" oder „hofen",

Kleinsiedlungen ohne dörflichen Zusammenhang. Im Wangener Raum waren diese Einödhöfe von Anfang an landschaftsprägend.

Hinsichtlich des hohen Alters unserer Siedlungen oder Gehöfte möchte ich noch Eggenreute mit einbeziehen. Schon der frühere Name Etechenruti" ist uralt und verweist auf Zeiten und Ereignisse mindestens vor der ersten Jahrtausendwende. Hier gibt es in der Ahnenreihe der Welfen einen „Eticho", der dann als Graf in Ammergau im Jahre 910 gestorben ist. Oder ein weiterer Eticho aus dem Welfenstamm, der 982 Bischof in Augsburg war. Es besteht also durchaus die Möglichkeit, dass ein ehemaliger Welfe aus Weingarten namens Eticho unsere Anhöhe roden ließ und dass Eggenreute als „Rodung des Eticho" zu deuten ist. Eine

Urkunde, die erstmals Eggenreute erwähnt, trägt allerdings erst ein Datum vom April 1245 (Urkunde B 515, U 1081).

Die wirklich älteste Urkunde aus unserem Gebiet erwähnt Karbach (Charabach), jetzt Gemeinde Amtzell, sie trägt das Datum vom 5. 3. 853.

Wir haben nun 4 Begriffe, die zusammengehören:

Dorf Karsee

See Karsee

Bach Karbach

Weiler Karbach

Der Ursprung ist das Kar, eine Vertiefung oder Schüssel, Senke, Mulde aus einer Eiszeit, in der sich Gletschereis gesammelt und später ein See, der Karsee, gebildet hat. Einen einzigen und winzigen oberirdischen Zufluss gibt es für den Karsee, vom Moosgraben her. Dafür aber hat der Karsee mehrere unterirdische Zuflüsse und einen Abfluss, der Seebach heißt.

Es gibt auch ebenfalls eine schöne Sage von den drei Fischen mit Glöckle; diese sollen vom Zellersee in Kißlegg her unterirdisch in den Karsee gelangt sein. Ein Hinweis und ein Schild ist am Karseer Rathaus angebracht.

Der Karbach fließt nicht durch den Karsee. Der Karbach entspringt nördlich von

Kehlismoos. Der Karbach bildet die natürliche Grenze zwischen den Gemeinden Karsee und Leupolz, eigentlich von Anfang bis Ende der Gemeindegrenzen. Pfarrer Feuerstein schreibt im Jahre 1691 folgendes:

„Auf der linken Seite des Weilers Edengut fließt ein Bach, der Carbach genannt wird, durch den Weiher, genannt Rohr-Weiher, durch den Wald und die Wiesen um Leupolz bis zum Weg an der Zipfel' schen Mühle (mula Cipolaense), an diesem Weg unterhalb des Waldes Schweinberg bis zu den Wiesen von Englisweiler."

(Der damalige Besitzer der Mühle nannte sich Zipfel oder Züpfel),

Der Karbach fließt am Ort und See Karsee und am Ort Leupolz vorbei, und mündet bei Oberau, unterhalb von Pfärrich in die Untere Argen.

Die Besiedlung des Dorfes Karsee zu rekonstruieren ist fast nicht möglich. Wie bereits Herr Dr. Rainer Jensch, Stadtarchivar von Wangen, bei einem Vortrag am 5. 10 2002 in Karsee sagte, muß „hier in Karsee im Mittelalter eine bedeutende Schnittstelle gewesen sein. In Richtung Osten waren die Ritter, die Ministerialen von Sankt Gallen, die Praßberger und die Leupolzer. Auf der anderen Seite in Richtung Bodnegg, Waldburg war das Einflussgebiet der Welfen, die vom Schussental aus, von Altdorf— Weingarten , die Neurodungen in unserer Gegend unternommen haben. An dieser Schnittstelle befindet sich Karsee."

Da um das Jahr 853 über Karsee selbst noch keine Zeugnisse vorhanden sind, kann man sich um das Dorf Karsee und andererseits den Ort Karbach wegen des jeweiligen Alters streiten. Woher weiß zum Beispiel jener Priester Cunzo, der im Dorf Karbach 853 zu beiden Seiten des Flüßchens bereits einen Besitz hatte, dass sein Ort

„Charabach" heißt und sein Flüßchen ebenfalls Karbach? Und was hatte der Priester Cunzo in Karbach zu tun? Amtzell, Pfärrich, Karsee oder Herfatz sind doch eigentlich weit entfernt vom Weiler Karbach. Es ist zu vermuten, dass um das Jahr 850 am See Karsee bereits Leute angesiedelt waren, nämlich Dienstleute oder Untergebene derer von Praßberg, und den See Karsee und das Dorf Karsee und den Bach Karbach und das Dorf Karbach bereits als solche bezeichnet haben. Und wer wusste schon damals, dass dieser See ein Kar ist. Karsee und Karbach müssen schon lange vor 850 bestanden haben. Die Sache mit einer Römerstraße in der Gegend um Karsee braucht nicht erörtert werden, weil es keine Anhaltspunkte dafür gibt. Die Römer hatten sich bereits um 395 über die Alpen zurückgezogen.

Um das Jahr 600 wurde zu Konstanz am Bodensee, „im Herzen des

Alamannenreiches", ein Bischofsitz gegründet. Das Kloster St. Gallen in der Schweiz wurde im Jahre 719 gegründet. Seit dem Jahre 800 ungefähr haben sich die Äbte von St. Gallen erheblichen Grundbesitz in allen Teilen von Vorderösterreich erworben, auch in unserem Heimatgebiet. Kloster Weingarten wurde als Benediktinerorden 1056 von Welf IV gegründet und erwarb sich dann ebenfalls Grundbesitz und Patronat über die Kirchen im Umland.

Dass unsere Kirche in Karsee im Jahre 1 194 durch den Konstanzer Bischof Diethelm von Krenkingen geweiht wurde, entnehmen wir dokumentarisch unserer Chronik von 1194. (Offenbar hat ein eifriger Historiker unserer Zeit ein genaues Datum für die

Weihe unserer Kirche für den 22. Mai 1194 zurückgerechnet. Selbst in der

Lebensbeschreibung des Bischofs Diethelm von Krenkingen ist nichts davon erwähnt.) Eine offiziell anerkannte Urkunde, wo die „Kirche von Karsee" erstmals erwähnt wird, ist das Abgabenbuch des Konstanzer Klerus, das „liber decimationis", vom Jahre 1275.

Hinsichtlich des Alters unserer Kirche kann man folgendes anbringen:

  1. Bei der Renovierung der Kirche im Jahre 1999 wurde für die Entfeuchtung der linken Kirchenmauer, entlang der Außenmauer, ein etwa 2 m tiefer Graben ausgehoben, wobei das alte Fundament der Kirchenmauer bestehend aus kleinen bis enorm großen Wackersteinen zu Tage kam. Die Kirchenwand wurde daraufhin mit zwei nebeneinander liegenden Betonmauern gestützt.
  2. Bei der Innenrenovation der Kirche im Jahre 1981 wurde der alte Bretterfußboden unter den Bänken herausgenommen. Dabei wurde etwa 2m hinter dem Mitteleingang auf der rechten Seite kurz vor der jetzigen Empore das Grab eines Priesters in seinen Priestergewändern entdeckt, der damals außerhalb der Kirche beerdigt wurde, wahrscheinlich noch vor der Kirchenrenovation im Jahre 1700.
  3. Bei der Renovierung der Kirche im Jahre 1956 wurde an der rechten Wand im Chorraum ein Fresko aus dem Hochmittelalter freigelegt, etwa aus dem Jahre 1400 oder noch früher. Die Löcher im Putz entstanden durch die Freilegung.

Über frühere Ansiedlungen und Gebäude im Ort Karsee können leider keinerlei

Aufzeichnungen gefunden werden. Zur Zeit des Baus und der Weihe der Kirche im Jahre

1194 haben wohl höchstens zwei Bauern im Ort gewohnt, die anscheinend dann auch das Holz für den Kirchenbau nach unten an den See gebracht haben (wenn man an die Sage glaubt). Die Bauern außerhalb hatten alle ihre Einzelhöfe. In der Urkunde Nr. 1092 vom 31. 10. 1289, die sich beim Staatsarchiv Stuttgart befindet, ist nur die Rede von „Gütern in Carsee", die Graf Rudolf von Montfort dem Kloster Weingarten überlässt. In der Urkunde von 1294 (Nr. 1097) spricht Ritter Hartmann von Praßberg ebenfalls nur von seinem „Gut zu Karsee und dem Kirchensatz (Patronatsrecht für die Kirche) mit dem See und Feldern"

Am 8. 9. 1357 spricht man dann von „dem Dorf zu Karsee" (Urkunde Nr. 1135). In der

Urkunde Nr. 1179 vom 28. 12. 1437 taucht dann ein erster Name auf: Herr „Rolina Fabri (Rolinus Faber) der eifrige Priester und Rektor der Pfarrkirche in Carsee", der sich äußerst heftig beim Landvogt und beim Abt von Weingarten beschwert, weil ihm die Bauern nicht den nötigen Zehnten in Naturalien und Geld geben wollen. Im Jahre 1555 hat erstmals der Pfarrer Konrad Lang in seiner Beschreibung der Pfarrei Karsee einige Namen von Karseer Bauern sowie Flurnamen aufgeschrieben. Ausführlicher hat Pfarrer Josef Benedikt Feuerstein in seiner Chronik von 1691 eine Pfarreibeschreibung abgegeben.

Danach war am Ort Karsee selbst der größte Hof das „Widdum-Gut" gewesen, dann folgte der Hof des Melchior Reischmann und das Gut des Paul Rothenhäusler als das „beste Haus im Dorf', ferner das Gut des Wirts Conrad Felder und das „Haasen-Gut" der Witwe des Hans Felder, „wo aber erstens auf Pauli Rothenhäuslers seinem Gut gehauset und des Haasen Gut mit ihm gehabt."

Wo das Widdumhaus gestanden hat, ist in dem „Ocularriß" von 1700 zu ersehen. Dieses spätere Gasthaus vom Hinteren Wirt, beziehungsweise Dreikönig, jetzt Vogter Straße 9, ist das älteste Gebäude im Ort Karsee. Bei seiner Renovierung vor dem Jahre 2000 kamen im Fundament und den Wänden ebenfalls Wackersteine zu Tage wie bei den Grundmauern der Kirche.

Der Ort Karsee war zunächst bekannt als Pfarrdorf, das Pfarr — „Amt Karsee" mit Kirche und Pfarrer, ohne „bürgerliche" Einrichtungen. Ein Gasthaus zum Adler, später Glatz, war lange vor 1800 vorhanden. Der Mesner hatte ein Wohnhaus, das spätere Schulhaus oder

Mesnerhaus mit Mesnerstadel. Schulmeister Meinrad Meichtele war von 1801 — 1842 Mesner und erster Lehrer in Karsee. 1852 wurde ein neues Schulhaus mit Ökonomiegebäude erbaut, da das alte Gebäude baufällig war. Während der Bauzeit wurde die Schule mit Schulverweser Bökeler beim Hinteren Wirt (Riedesser) abgehalten. Am 8. 12. 1901 brannte der Mesnerstadel ab. Im Jahre 1905 musste die Schule erweitert werden. Neuer Schulleiter war Wendelin Stier von 1905 bis 1. April 1924. Nach der Gründung der neuen politischen Gemeinde Karsee am 1. 10. 1952 erhielt die Gemeindeverwaltung mit Bürgermeister im Obergeschoss der Schule ihre Räume. Im Jahre 1965 wurde eine neue Schule gebaut mit Schulhaus, Turnhalle und Lehrerwohnung. Das bisherige Schulhaus wurde zum Rathaus umgebaut mit 2 Wohnungen.

Die Christkönigssäule auf dem Karseer Hausberg beim Hof in Oberwies wurde am 23. 5.

1937 eingeweiht. Seit 14. 6. 1981 wird jedes Jahr eine Bittprozession mit Messfeier auf dem Christkönigsberg gehalten, unter Beteiligung der Blutreiter von Karsee und Leupolz.

Zur heutigen Totensteige möchte ich persönlich folgendes ausführen:

Die Totensteige ist ein Fußweg und führt links vor „Hämmerles Buckel" bei Unteregg vorbei den Berg und Wald hinauf bis zur Rochuskapelle bei Baumann. Der eigentliche Fahrweg vom Dorf Karsee nach Sommers führte früher, vor Erbauung der neuen Straße, direkt am Hof Unteregg vorbei, an der alten Hütte, links der jetzigen Straße, ging durch den Wald hinauf bis zum Wartehäuschen, an der „Museumsstraße", bis zur Schreinerei Heine und dann nach Zeihers und Vogt. Selbst wenn zur Pestzeit im 17. Jahrhundert hinter Hämmerles Buckel noch kein Wald gestanden ist, so war und ist dieser Weg der heutigen Totensteige derart steil und bergig und schmal, dass ein Fuhrwerk oder Wagen mit Pferd, Kühen oder Ochsen zu keiner Zeit hätte weder hinauf noch hinunter fahren können. Es hat sich heute die feste und fixe Meinung gebildet, dass der Totenwagen mit den Pestleichen zur Pestzeit im 17, Jahrhundert durch diese Totensteige nach Karsee hinunter gefahren ist. Daran ist nunmehr weiter festzuhalten, entgegen jeder anderen Aussage. Zu welcher Zeit die Totensteige als Totensteige bezeichnet wurde, ist ungewiss. In keiner alten Pfarrchronik taucht dieser Name auf Die Totensteige kann niemals die Totensteige der Geschichte sein. Ich weise noch auf das Gedicht hin, wo der Radfahrer von Sommers her am Hof Unteregg vorbei fährt und die alte Untereggerin wegen der rasanten Fahrt fast zu Tode erschrickt.

 


Karsee, 12.06.2020, Walter Scheffold

Kirchengeschichte von Karsee

 

Unser erster Chronist, Pfarrer Joseph Benedikt Feuerstein, begann die Chronik von Karsee im Jahre 1691. Er stammte von Feuersteinsberg im Bregenzer Wald in Vorarlberg und wurde vom zuständigen Patronatsherrn Abt Sebastian Hyller vom Kloster Weingarten als Pfarrer in Karsee ernannt und eingesetzt. Damals gehörte unsere Gegend zu Vorderösterreich und zum Bistum Konstanz. Pfarrer Feuerstein hat die ursprüngliche erste Chronik, die mit dem Kirchenbau von 1190 begann und die wegen der Pestzeiten und wegen des 30-jährigen Krieges (1618 - 1648) in einer Kiste im Boden vergraben war, wieder gefunden und so gut es ging neu geschrieben. Über den Bau der Karseer Kirche schreibt er wörtlich:

„Im Jahre 1190 versuchten die Einwohner dieser Gegend in dem Ortsteil Baumann beziehungsweise Dierenrain, wo bis jetzt noch zum Andenken eine kleine Kapelle erhalten ist, eine Pfarrkirche zu erbauen. Aus diesem Grunde fingen sie an, Holz zu schlagen, das tatsächlich tagsüber gesägt und für den Bau vorbereitet wurde, aber während der Nacht in die Ortschaft Karsee verbracht wurde. Da mehrere Tage hindurch das Holz ohne menschliches Dazutun weg geschafft wurde, glaubten die Bewohner, es sei eine göttliche Fügung, dass die Kirche dort erbaut werden sollte. So haben sie also die Kirche erbaut. Sie wurde 1194 von Bischof Diethelm von Konstanz geweiht. „

Diese „Legende vom Kirchenbau in Karsee" hat Lehrer und Rektor Ernst Praschak in dem Heimatkundebuch „Meine Heimat Wangen im Allgäu" in der Auflage von 1992 einmalig und reichlich ausgeschmückt und wie folgt beschrieben:

„Es war im Jahre 1191. Noch war unser See größer als heute, noch lag zwischen

Unteregg und Edengut ein zweiter See, der Rohrweiher. Die wilden Wälder am Schweinberg wurden nur langsam gerodet und zurückgedrängt und vieles Land, das heute fruchtbare Fluren trägt, war damals Sumpf und Moor. Das Dorf bestand nur aus wenigen Häusern. Hier und da zerstreut standen einzelne Höfe mit strohgedeckten Dächern und einem Brunnen vor dem Haus, und nur wenige magere Kühlein oder gar nur Geißen standen im Stall.

Es waren meist nur Bauern, die mit Mühe sich so viel erarbeiteten, dass sie leben konnten; waren sie doch fast alle "Hörige" und Untertanen eines

Herrengeschlechtes, für das sie fronen und den Zehnten abliefern mussten. Die Bauern des Dorfes waren samt Haus und Hof Eigentum des Praßbergers, der drüben an der Argen seine Burg hatte, während einige andere Höfe der Umgebung dem Grafen von Tettnang gehörten.

Auf der Anhöhe aber, die man nannte „auf dem Sumer", war schon damals an der Stelle, wo heute der Hof Baumann steht, ein stattliches Anwesen namens

Dierenrain. Der Bauer auf dem Hof Dierenrain war ein „Freier". Er brauchte nicht zu fronen und musste auch keinen Zehnten abliefern. Er war sein eigener Herr. Dieser Bauer hatte nun in jenem Jahre 1191 etwas ganz Besonderes vor. Er wollte eine Kirche bauen. Gleich unterhalb seines Hofes sollte sie errichtet werden. Weit sollte der Turm hinausblicken ins Land, und über Tal und See hinweg sollte die Glocke zum Gottesdienst rufen.

Als seine Nachbarn und die Leute im Dorf diesen Plan erfuhren, freuten sie sich und versprachen ihre Hilfe beim Bau; war ihnen allen doch der weite Weg in die Stadt zu beschwerlich, und eine andere Kirche gab es in der ganzen Umgebung nicht. Nun halfen die Bewohner beim Fällen der Bäume, andere beim Behauen und Zurichten der Stämme, beim Herbeischaffen von Steinen, Sand und Kalk, um bald mit dem Bau beginnen zu können. Aber es sollte anders kommen.

Als sich der Bauer Dierenrain eines Morgens erhob und ans Fenster trat, blieb er wie erstarrt stehen. Das Bauholz, das in der Nacht vorher noch auf dem Platz gelegen hatte, war weg, war verschwunden, so sehr sich der Bauer auch die Augen rieb. Nach und nach kamen die Bauhelfer herbeigelaufen, alle redeten durcheinander, doch niemand konnte sich diesen seltsamen Vorfall erklären. Noch während sie redeten, kam ein Bauer in großer Eile den Wald herauf und rief schon von weitem: „Hallo, das Holz liegt unten im Tal auf dem Hügel neben dem See."

Wirklich! Als die Leute ins Tal hinunter liefen, fanden sie ihr Bauholz aufgestapelt auf dem Hügel. „Ein Wunder ist geschehen", raunten die Leute untereinander. „Was Wunder!" rief einer, „einen bösen Streich hat man uns gespielt und das Holz in der Nacht hinunter gefahren." In mühevoller Arbeit wurde nun das Holz im Laufe des Tages wieder den Berg hinaufgeschafft. Aber was geschah? Am anderen Morgen war das Holz wieder verschwunden, und man fand es wieder auf dem Hügel neben dem See. Noch einmal schafften es die Leute auf den Berg hinauf. Doch diesmal erboten sich einige kräftige Männer, Nachtwache zu halten. Diesmal sollte das Holz nicht wieder verschwinden. Als die Wächter aber des Nachts beisammen saßen und gerade nicht auf das Holz achteten, war es wiederum verschwunden. Kein Laut war zu hören gewesen. Wie von Geisterhänden getragen, war es plötzlich weg. Noch in der Nacht liefen die Leute mit Fackeln ins Tal und fanden das Bauholz wiederum auf dem Hügel neben dem See. Nun gab es für die Bewohner keinen Zweifel mehr. Ein Wunder war geschehen. Das war, so sagten jetzt alle, ein Zeichen des Himmels, dass die Kirche nicht oben auf dem Berg, sondern unten im Tal erbaut werden sollte.

So geschah es dann auch Oben auf dem Berg errichtete man später zum Andenken an diese Begebenheit eine Kapelle, die dem heiligen Rochus geweiht wurde."

Über die Größe der ursprünglichen Kirche sind keine Aufzeichnungen zu finden. Man kann annehmen, dass die erste Erweiterung erst um das Jahr 1700 erfolgte.  Wenn man davon ausgeht, dass das hochmittelalterliche Fresko, das sind sechs Bilder an der rechten Seitenwand im Altarraum, um das Jahr 1400 oder früher entstanden sind, dann kann man auch sagen, dass die nördliche

Außenmauer hinter dem Hochaltar gestanden hat und die südliche Außenmauer kurz hinter dem jetzigen mittleren Seiteneingang. Diese Annahme lässt sich durch folgendes stützen:

Bei der Renovation 1981 wurde der alte Bretterboden unter den Bänken heraus genommen. Dabei wurde auf der rechten (Männer-Seite rechts neben der vorderen Säule ein Priestergrab entdeckt Die bunten Fasern des Meßgewandes des Toten waren noch gut zu erkennen. Das Grab wurde mit Sicherheit damals außerhalb der Kirche angelegt und dürfte aus der Zeit vor der Kirchenerweiterung von 1700 stammen. Offiziell wurde nichts davon festgehalten, sondern die Grabstelle 1981 wieder zugeschüttet und mit Beton für den neuen Fußboden überdeckt Der bestattete Priester hat jetzt seine Ruhestätte im Kirchenraum.

Die gleiche Farbe wie die des Freskos im Altarraum wurde bei der Renovation 1999 auch in der Wölbung beim rechten Mittelausgang sowie unmittelbar unterhalb der Decke hinter dem Hochaltar entdeckt. Offiziell wurde dies alles wiederum nicht festgehalten, sondern die alten Farben wurden übermalt. Die Löcher im Fresko wurden bei einer früheren Innenrenovation, wohl lange vor dem Jahre 1800, angebracht, damit der neue Verputz besser halten sollte. Wahrscheinlich waren ursprünglich mehr als diese 6 Bilder vorhanden; diese wurden bei der Renovation im Jahre 1956 entdeckt und freigelegt. Erst bei der Innenrenovation 1999 konnten die Farben des Freskos fachgerecht wieder einigermaßen aufgefrischt werden.

Aus der gleichen mittelalterlichen Zeit wie das Fresko dürfte auch das originale

Apostelkreuz stammen, das auf der linken Seite hinter dem Chorbogen vor dem Eingang zum Turm angebracht ist. Die übrigen Apostelkreuze in der Kirche sind später diesem Original angeglichen und angebracht worden.

Die Sakristei befand sich in früherer Zeit im Glockenturm. Eine neue Sakristei wurde 1700 an der Nordseite der Kirche angebaut. Unter Pfarrer Josef Benedikt Feuerstein fand um die Jahrhundertwende 1700 eine größere Renovation statt. Die Kirche wurde nach Süden hin erweitert, wahrscheinlich ab dem

Mitteleingang bis zur Mitte der jetzigen Empore. Man kann dies an der leichten Rundung der Außenmauer erkennen. Man schrieb damals von einer Umgestaltung der Kirche zu einem Langhaus.

Gegen Ende des Jahres 1956 wurde die Kirche um 4 Meter nach hinten verlängert. Zur Verankerung des Fundaments im Boden wurden viele

Stahldrähte einzementiert. Der alte Treppenaufgang zur Kirche wurde entfernt. Zuvor führte erst eine lange Holztreppe von der Straße aus hinauf, die 1834 durch eine gemauerte Treppe ersetzt wurde. Der Haupteingang zur Kirche befand sich in der Mitte hinten. Die neue Treppe und der Zugang zur Kirche wurde 1956 an der linken Seite von Kirche und Friedhof angebracht. Wie in alten Tagen führt aber die Hauptstraße immer noch in einer Kurve rund um das Südende der Kirche. Der frühere Oberbürgermeister von Wangen, Herr Dr. Leist, sagte einmal: „ Alle Wege durch Karsee führen um die Kirche herum." Die letzte Innenrenovation der Kirche wurde mit der Weihe des neuen Altars am

2.4. 2000 abgeschlossen. Der neue Zelebrationsaltar sollte noch weiter zur

Gemeinde vorgerückt werden. Dazu musste der Altarraum verlängert werden. Auch sollten Altar und Ambo aus Stein sein und fest stehen. Bisher war der sogenannte Volksaltar nicht feststehend und aus Holz; er wurde 1980 vom Wagner und Holzschnitzer Franz Rösch aus Leupolz angefertigt. Für den neuen Altar und Ambo wurde ein rötlich-brauner griechischer Argos-Marmor verwendet. Alle Figuren und Statuen in der Kirche wurden in der Werkstatt des Restaurators erneuert, auch die Seitenaltäre und das Hochaltarbild. Das Kircheninnere und die Sakristei wurden zur Vernichtung des Holzwurmes begast. Da fast die ganze linke Kirchen-Innenmauer feucht war, wurde außerhalb das Fundament mit Beton befestigt. Das alte Fundament bestand und besteht aus kleinen bis enorm großen Wackersteinen. Auf einer zweiten Mauer stehen jetzt die bisherigen Grabsteine. Sämtliche Elektroleitungen und sonstigen Kabel wurden neu verlegt. Der Werktags-Gottesdienst fand während der Renovation im Pfarrsaal statt, zum Sonntags-Gottesdienst mussten die Karseer nach Leupolz gehen. Die Figuren und Statuen, die Kreuzweg-Stationen und die Putten über den Altären wurden entweder mechanisch oder elektronisch gesichert. Die Fenster wurden von außen doppelt verglast. Die 4 Glocken bekamen neue Stahlklöppel, nachdem ein Klöppel abgebrochen war. Auch neue Läutemotoren wurden angeschafft. Eine neue Lautsprecher-Anlage wurde eingebaut. Am 3.Adventsonntag, 12. 12. 1999, konnte die Messe wieder in der Kirche gefeiert werden. Am 2. 4. 2000 wurde der neue Altar von Weihbischof Franz Josef Kuhnle geweiht. Nachträglich wurde das mittelalterliche Fresko im Altarraum gereinigt und aufgefrischt.

Für eine neue Aussegnungshalle wurde am 14. 6. 2000 begonnen, Wasserleitung und Stromkabel von der Sakristei aus durch den Friedhof zu legen. Diese sollte außerhalb des alten Friedhofs entstehen, in einem Grundstück, das die Stadt Wangen von Gastwirt Siegfried Glatz für einen neuen Friedhof abgekauft hatte.

Zu diesem Zweck stifteten die Karseer Waldbesitzer das Holz. Von der Karseer

Baufirma Erwin Schmid wurde der Baukran sowie ein Facharbeiter zur Verfügung gestellt. Die Bauern halfen mit ihren Fahrzeugen die Baugrube auszubaggern und den Boden abzufahren. Es gab viele freiwillige Helfer, der ganze Bau der Aussegnungshalle wurde überwiegend in Eigenarbeit von den Karseern selbst erstellt. Am 3. 5, 2000 fand die Einweihung mit Messe unter dem Dach vor der Halle statt.

Eine aufwendige Außenrenovation im Jahre 2009 verschlang mehr als eine halbe Million Euro. Am Dienstag nach Ostern, 14.4. 2009, nach dem Dank-Gottesdienst mit den Erstkommunionkindern wurde die Karseer Kirche abgesperrt. Innen und außen und am Turm wurden Gerüste angebracht. Die Architekten befürchteten , dass die Decke der Kirche schon seit längerem einsturzgefährdet sein könnte. Nach intensiver Prüfung durch Fachleute der verschiedensten Fachrichtungen muß die Decke rings um das ganze Kirchengebäude neu befestigt und Balken ausgetauscht und angestückelt werden, da Nässe eingedrungen war und Balken verfault und voller Schwamm waren. Die Decke musste vollständig abgestützt werden. Früher hatte man die Enden der Deckenbalken, die auf den Außenmauern auflagen, eingemauert. So konnte die Feuchtigkeit, die von außen und vom Kircheninneren kam, nicht entweichen und das Holz verfaulte. Es war eine enorm aufwendige Arbeit vorallem für die Zimmerleute der Firma Prinz von Karsee-Brenner. Schließlich wurde auch noch das ganz Kirchen- und Turmdach neu eingelattet und mit neuen Dachplatten gedeckt. Am Turm wurde der alte Verputz vollständig abgeschlagen und anstelle der weißen eine gräuliche Farbe verwendet. Die Zifferblätter der Uhr wurden abmontiert. Die rötliche Farbe der alten Zifferblätter tropfte bei Regen immer ab und hinterließ eine rote Spur die Turmwand hinunter. Jetzt wurde eine tropfsichere Farbe angebracht sowie Zifferblätter aus nicht rostendem

Edelstahl. Die Architekten beabsichtigten, den bisherigen Glockenstuhl aus Eisen abzubrechen und die Glocken an ein Holzgerüst aufzuhängen. Auch war ein automatisches Uhrwerk vorgesehen. Die Geldmittel dafür wurden aber noch nicht bewilligt. Die Maler wurden mit ihren Arbeiten an der Außenwand des Turms vor Einbruch von Schnee und Kälte nicht mehr fertig, sodass die letzten Arbeiten erst im Mai 2010 abgeschlossen und das Außengerüst abgebaut werden konnten. Am Fest Allerheiligen, 1. 11. 2009, wurde der Gottesdienst wieder in der Pfarrkirche aufgenommen

Karsee, 01.10.2020 Walter Scheffold

Kirche und Pfarrer in Karsee

Kirchen prägen unsere Städte und Dörfer; sie sind Stein gewordenes Zeugnis unseres Glaubens und Gegenpol zur alltäglichen, hektischen Welt. Hier versammeln sich die Menschen zum Gottesdienst, in die Kirchen tragen die Gläubigen ihre Nöte und Hoffnungen vor ihren Gott. Hier begehen sie die wichtigen Stationen ihres ganz persönlichen Lebens. Allein in der Diözese Rottenburg-Stuttgart gibt es mehr als 800 Kirchen. Bedeutende Bauten großer Architekten, prächtige Barockkirchen, kleine Dorfkirchen, moderne, nüchterne Betonkirchen mit kühler Ausstrahlung oder Gotteshäuser mit geradezu heimeliger Atmosphäre. Viele Menschen sind mit der Kirche an ihrem Wohnort stark verbunden. Sei es, dass der Raum sie in besonderer Weise anspricht, oder ein liebevoll gestalteter Blumenschmuck, ein feierlicher Gottesdienst, die Musik, das einfallende Licht. Manchmal ist es auch eine Begebenheit oder ein persönliches Glaubenserlebnis, die einem eine Kirche ganz eng ans Herz wachsen lassen.

(aus: Kath- Sonntagsblatt Nr. 16 vom 15. 4. 2012)

Jetzt, wo unser Gotteshaus in Karsee seit 2000 im Innern und 2010 rundherum neu gestaltet und restauriert worden ist, können wir auch wohl zufrieden und dankbar sein, dass wir so ein schönes Kirchlein haben. Einen Mangel gibt es indessen wie fast überall und sei es nur das Fehlen eines eigenen Pfarrers und Priesters im Dorf oder auch das Fehlen von Gläubigen in der Kirche beim Gottesdienst.

Bis zum 28. Februar 1973 hatte die Kirchengemeinde Karsee einen eigenen, investierten Pfarrer, der auch an der Hauptschule den Religionsunterricht erteilte.

Seit in Karsee die Pfarrchronik geschrieben wurde, gab es einige

Persönlichkeiten unter den Pfarrherren. An erster Stelle ist zu erwähnen Pfarrer

Joseph Benedikt Feuerstein von Feuersteinsberg im Bregenzer Wald. Er war

Pfarrer in Karsee von 1691 — 1711 und hat die an sich erste Pfarrchronik in einer Kiste im Erdboden gefunden, sie war dort seit über 100 Jahren vergraben und natürlich von Würmern zerfressen und zerstört. Er muß aber sicherlich gewusst haben, dass es eine solche gegeben hat und wo sie gelegen sein muß. Er hat die Chronik neu geschrieben, und seine neue gilt jetzt als erste Pfarrchronik von Karsee,

„Urbarium de Parochia Karsee anno 1691." Urbarium bedeutet nicht Chronik sondern eigentlich Grundbuch oder Güterbeschreibung, und deshalb konnte dieses kleine Büchlein in din a 5 Größe lange im Bischöflichen Diözesanarchiv in Rottenburg nicht aufgefunden werden, nachdem es um das 1977iger Jahr aus dem Pfarrhaus Karsee weggenommen wurde. Pfarrer Feuerstein hat um das Jahr 1700 eine größere Renovation der Pfarrkirche vorgenommen. Es wurde eine erste separate Sakristei an die Nordseite der Kirche angebaut, nachdem die erste Sakristei im Glockenturm untergebracht war. Ferner wurde die Kirche zu einem sogenannten Langhaus nach Süden hin erweitert. Über ein Pfarrhaus ist aus seiner Zeit nichts bekannt.

Aus einer früheren Zeit wäre zu nennen: „der ehrenwerte Mann, Herr Rollina Fabri, der eifrige Priester und Rektor der Pfarrkirche in Carsee", der im Jahre 1437 lebte und sich über seinen Rechtsanwalt in Leutkirch an den Abt Erhard vom Kloster Weingarten und an das Bischöfliche Ordinariat in Konstanz wandte und sich über seine Bauern in Karsee äußerst heftig beklagte, weil sie ihm nicht die zustehenden Zehnten, Abgaben und Einkünfte geben wollten. Zu erwähnen ist insbesondere Pfarrer Franciscus Josephus Jacobus Greyssing aus Bezau im Bregenzer Wald. Er war von 1771 - 1819 Pfarrer in Karsee. Er hatte einen Pfarronkel in Bergatreute. Im Jahre 1801 feierte er sein goldenes Priesterjubiläum in Karsee. Während seines Theologiestudiums wanderte er mehrmals zum Kloster in Kaufbeuren, wo damals die heilige Creszentia Höss von Kaufbeuren als Oberin wirkte. Sie schenkte dem Studenten ein einfaches hölzernes Kreuz, das 47 Jahre nach seinem Tod noch unversehrt in seinem Grab gefunden wurde. Pfarrer Greyssing starb am 22. 2. 1823 in Pfärrich und ist dort begraben. Als Ortspfarrer hatte er in Karsee zusammen mit einem gewählten Kirchenkonvent „das Recht und die Pflicht, ein Sittengericht abzuhalten." Zum Beispiel wurde einmal verhandelt, dass „beim Wirth einige Leute starck und theuer und über die Zeit spiehlten". Er richtete als erster einen Brunnen beim Pfarrhaus ein, der ihm Wasser in Holzröhren vom Dorf her zuführte.

Pfarrer Greyssing ließ eine vorhandene Monstranz vergolden und vergrößern und besorgte einen Partikel vom heiligen Kreuz sowie Reliquien des hl. Kilian und der hl. Ursula. Wahrscheinlich ist ihm auch das übergroße Kreuz in der Kirche zu verdanken und das Taufbecken.

Dem Pfarrer Johann Georg Schmidt waren nicht alle Pfarrangehörigen gut gesonnen. Am 3. Dezember 1842 wurde ihm „nachts um 1/2 1 Uhr wegen eines Vorhalts, den der Pfarrer pflichtgemäß machen musste, in das Pfarrhaus geschossen mit einem scharf geladenen Gewehr. Als ich hierauf erklärte, dass ich mich dadurch nicht abhalten lasse von der Erfüllung meiner Pflicht, wurde mir am Fasnachtssonntag ein Fenster eingeworfen." Kurze Zeit später wurde dem Pfarrer sogar „von boshaften Menschen 200 Krautsköpfe abgehauen, 114

Dickrüben und 375 Kohlraben ausgerissen."

Am 7. 5. 1936 fand die feierliche Amtseinsetzung von Pfarrer Anton Schips statt. Er ließ das Denkmal des Christkönigs auf der Höhe von Oberwies errichten. Den Entwurf der Säule gestaltete Professor Theodor Schnell von Ravensburg, die

Ausführung in Keupersandstein aus einem Steinbruch in der Gegend um

Würzburg machte Alois Joser u. Sohn in Leutkirch und die Vergoldung Malermeister Benedikt Peter in Karsee-Riefen. Auf einem 5 m tief betonierten

Fundament erhebt sich das 8 m hohe und 200 Zentner schwere Denkmal. Die

Einweihung der Christkönigssäule fand am 23. Mai 1937 statt. Während des

2. Weltkrieges wurde der Pfarrer aus der Schule verbannt. Daraufhin erteilte Pfarrer Schips ab 1938 den Religionsunterricht in der Sakristei der Kirche. Bei der Sonntagspredigt stand der (Nazi-) Lehrer hinten in der Kirche, begutachtete und spionierte den Prediger aus.

Ab 1954 hatte Karsee einen adligen Pfarrer, Dr. Achim von Arnim aus Glatz in Schlesien. Von ihm stammt ein Buch „Der unsterbliche Petrus". Unter Pfarrer von Arnim wurde die Kirche um 4 Meter nach hinten verlängert.

Ein berühmter Geistlicher, gebürtig aus Karsee-Oberhof, war Professor Dr.

Fridolin Stier. Er wurde 1927 zum Priester geweiht und lehrte an der Universität Tübingen über das Alte Testament, Er starb am 2. 3. 1981. Ihm wurde 2013 eine Gedenktafel an der Außenwand der Karseer Kirche bei der Sakristei gewidmet.

 

Karsee, 01.10.2020 Walter Scheffold

 

Das Rathaus Karsee

Auszug aus der Festschrift von 1994

An der Stelle des heutigen Rathauses befand sich seit alten Zeiten „das Mesnergut, das unter dem Namen Conventgütle dem Kloster Weingarten gehört hatte. Unter dem 7. März 1667 wurde dasselbe dem Mesner Melchior Reischmann und seiner Ehefrau als Lehen übergeben, um binnen Jahresfrist eine notdürftige Behausung zu erstellen. Es war bis zu dieser Zeit noch kein Haus auf dem Gut." Bei der Belehnung im Jahre 1703 wurde das Mesnergut dem Sohn des Mesners Josef Reischmann übertragen.

Nach dem Klosterprotokoll von 1703-06 stellte der Pfarrer Feuerstein das

Anerbieten, auf seine Kosten ein Haus für einen künftigen Mesner und Schulmeister zu bauen. Josef Reischmann hatte aber nicht mehr den Mesnerdienst inne; er traf mit einem Sylvester Fricker ein Abkommen und überließ diesem (1721 - 1724) das Gut. Sylvester Fricker erhielt es zur Bestätigung vom Kloster als Lehen und baute darauf das erste Haus. Er erhielt als Bausteuer im Jahre 1733 vom Kloster Weingarten „6 Aimer Wein und 6 Streichen (d.h. Simri) Mischelfrucht". Nach dem Tode des Sylvester Fricker wurde sein Sohn Anton Fricker vom Kloster angenommen und belehnt.

Nachfolger des Anton Fricker und dessen Schwiegersohn war Meinrad Meichtele. Dieser war von 1801 bis 1842 Mesner und Schulmeister in Karsee. Er ist der erste uns benannte Lehrer in Karsee.

Sein Mesner- und Schulhaus wurde schließlich so baufällig, dass es abgerissen werden musste. Während der Bauzeit bis 22. 10. 1852 wurde die Sonntags- und Werktagsschule unter dem nun zuständigen Lehrer und Schulverweser Bökeler im Gasthaus Dreikönig Hinterer Wirt) bei Alois Riedesser abgehalten.

Aufgrund des Dekrets des „Königlich-Katholischen Kirchenraths" in Stuttgart wurde 1852 „ein neues Schul- und ein abgesondert stehendes Ökonomie-Gebäude auf einem ohnehin zur Schulstelle gehörigen Platz errichtet".

um 1733 erstes Mesnerhaus erstellt um 1850 wegen Baufälligkeit abgerissen

22. 10. 1852 neues Schulgebäude und Ökonomiegebäude erstellt

(siehe Foto im roten Karseebuch Seite 26)

14. 11. 1882 Brand des Mesnerstadels (=Ökonomiegebäude)

08. 12. 1901 errichteter Mesnerstadel wieder abgebrannt, nicht mehr aufgebaut

01. 05. 1905 - 06 Erweiterung der Schule (trotz Differenzen mit dem Schultheißenamt in Vogt)

01. 10. 1952 Gründung der selbständigen Gemeinde Karsee

05. 10. 1952 Einrichtung eines neuen Rathauses im bisherigen Schulgebäude im oberen Stockwerk

27. 11. 1965 Einweihung der neuen Schule mit Turnhalle

15. 01. 1968 das Innenministerium verleiht der Gemeinde Karsee ein Wappen und eine Flagge

02. 02. 1968 Rathausumbau vollendet, Rathausräume jetzt im ganzen Parterre

Die Kirchenglocken von Karsee

a) Aus den Jahren 1680 und 1739 hatte Karsee 3 Glocken besessen, die mittlere von 1680 hatte Leonhard und Peter Ernst aus Lindau hergestellt, die große und die Kleine von 1739 hatte Baptist a Porta aus Bregenz gegossen.

b) Am 25. 5. 1907 war die Weihe von 4 neuen Glocken, gegossen von der Glockengießerei Hamm in Augsburg; die alten Glocken wurden dorthin abgegeben.

Die große Glocke war dem heiligen Michael geweiht, hatte 1.225 kg und Ton d, die 2. Glocke war den heiligen Kilian und Ursula geweiht, hatte 875 kg und Ton e, die 3. Glocke war der hl. Familie geweiht, hatte 615 kg und den Ton fis, die 4. Glocke war dem hl, Laurentius geweiht, hatte 360 kg und Ton a. Im 1. Weltkrieg 1914-18 mussten die Glocken nicht abgegeben werden. Im 2. Weltkrieg, am 24. 2. 1942, läuteten sie zum letzten Mal, da sie als

Kriegsmaterial eingezogen wurden; die kleine Glocke durfte dableiben.

c) Am Sonntag, 31. 8. 1952, war wieder Glockenweihe.

Die große Glocke ist der hl, Dreifaltigkeit geweiht, trägt deren Symbol: drei ineinander verschlungene Ringe und die Inschrift: "Ehre sei dem Vater durch den Sohn im heiligen Geist". Sie hat den Ton d und wiegt 1420 kg.

Die 2. Glocke ist die Marienglocke und trägt das Mariensymbol mit den Sternen und die Inschrift: „Du bist gebenedeit unter den Weibern und gebenedeit ist die Frucht Deines Leibes". Sie hat den Ton f und wiegt 870 kg.

Die 3. Glocke ist die Evangelienglocke und trägt als Symbol die griechischen Buchstaben Alpha und Omega mit einer Krone und die Inschrift: „Selig, die das Wort Gottes hören und bewahren". Sie hat den Ton g und wiegt 620 kg.

Die kleine Glocke trägt als Symbol ein flammendes Herz in einem Dreieck. Die Inschrift lautet: „Wo die Güte und die Liebe wohnt, dort nur wohnt der Herr". Sie hat den Ton b und wiegt 360kg,

Auf allen 4 Glocken ist am unteren Rand vermerkt: „Meister Hermann Hamm, Frankenthal, goß mich A. D. 1952 für die katholische Gemeinde Karsee - Allgäu".

Die Geschichte von Edengut (Ortsteil von Karsee)

 

Bei uns in Karsee gibt es zwei ähnlich klingende Ortsteile, Edengut und Edenhaus. Die geschichtliche Namensdeutung ist für beide Weiler die gleiche. Edengut war das Gut in der Öde und Edenhaus das Haus in der Öde oder Einöde; schriftlich wurden beide als Oedenguot oder Oedenhus bezeichnet. Es waren Einödhöfe und Großhöfe, wie sie im Raum Wangen im Allgäu von Anfang an die Landschaft prägten, von ihrer Gründung an seit den Jahren um 850 und 1000. Diese Ansicht vertritt insbesondere Rudolf Fesseler in seiner Siedlungsgeschichte über die „Wangener Landtafel" von Johannes Andreas Rauch von 1617, Wenn jemand noch den Buchstaben M vor den Ortsnamen setzt, also sprich Medaguat oder Medahus, dann kann das nur ein Karseer und Allgäuer tun, es ist Umgangssprache und bedeutungslos. Edenhaus und Edengut liegen beide abseits einer Durchgangsstraße, sozusagen in der Einöde. Edenhaus und Edengut werden heute nicht mehr bewirtschaftet; die Landwirtschaft wurde aufgegeben. Erstmals urkundlich erwähnt wird Edengut als „das Guot ze dem Oedenguot" in der (bereits deutsch geschriebenen) Urkunde vom 8. (12.) September 1357, die beim Hauptstaatsarchiv Stuttgart in dem Bestand B 515 unter Nr. 1135 verwahrt wird.

Irrtümlich wurde auch eine Urkunde vom Jahre 1294 genannt, in der Edengut zuerst erwähnt worden sei. In dieser Urkunde ist Edengutjedoch tatsächlich nicht genannt. Somit gilt als Ersterwähnung für Edengut das Datum von 1351

Edengut hat schon immer zur Pfarrei Karsee gehört, es liegt zudem auf der rechten Seite des Karbachs; links des Karbachs ist Leupolzer Gebiet. Mittelhub liegt zwar rechts vom Karbach, wurde jedoch zu irgendeiner Zeit nach Leupolz eingepfarrt oder eingemeindet. Im Jahre 1618 unter Michael Felder hat Mittelhub jedenfalls noch zu Edengut und zu Karsee gehört. Der Rohrweiher war ursprünglich der aufgestaute Karbach und flächenmäßig größer als der

Karsee. Jetzt nach der Entwässerung fließt der Karbach fast am Rand des Rohrweiher

Beckens entlang und somit gehört das linksseitige Gebiet zusammen mit dem Weiler Rohrweiher zur Gemeinde Leupolz. Dies war um das Jahr 1700 offenbar nicht der Fall, als der Rohrweiher noch Wasser hatte, wie der Karseer Pfarrer Josef Benedikt Feuerstein bestätigte.

Eine Besonderheit kann noch erwähnt werden, die zwischen den beiden Weilern Edenhaus und Edengut besteht, das betrifft die Geschlechter mit dem Familiennamen „Felder".

Im Jahre 1531 wohnte in Edengut ein Hans Velder oder Felder, dem das Gut gehörte. Dieser

Familienname Felder bestand dort über 100 Jahre, bis wieder ein Hans Felder auf den 29. Juni

1648 aus der Leibeigenschaft des Klosters Weingarten entlassen wurde und ein anderes Geschlecht dort einzog. In Edenhaus lebt ebenfalls ein Geschlecht der Familie Felder und zwar über 200 Jahre lang seit mindestens 1710 bis heute. Es mag der Familienforschung überlassen bleiben, weiteres zu unternehmen und eventuelle Zusammenhänge klarzustellen. Der Name Felder taucht in der Vergangenheit auch noch in anderen Ortsteilen von Karsee auf. Es gibt noch eine weitere Besonderheit in Edengut. Auf dem Gutsgelände steht ein schmiedeisernes, seltenes, sogenanntes „Anna-Christi.Kreuz". An ihm sind die Gegenstände und Marterwerkzeuge angebracht, die in der Leidensgeschichte Jesu Christi in den Evangelien aufgeführt sind.

 

Die Geschichte von Edenhaus (Teilort von Karsee)

 

Bei uns in Karsee gibt es zwei ähnlich klingende Ortsteile, Edenhaus und Edengut. Die geschichtliche Namensdeutung ist für beide Weiler die gleiche.

Edengut war das Gut in der Öde und Edenhaus das Haus in der Öde oder Einöde. Schriftlich wurden beide als Oedenguot und Oedenhus bezeichnet. Es waren Einödhöfe und Großhöfe, wie sie im Raum um Wangen im Allgäu von Anfang an die Landschaft prägten, von ihrer Gründung an seit den Jahren 850 und 1000. Diese Ansicht vertritt insbesondere Rudolf

 

Fesseler in seiner Siedlungsgeschichte über die „Wangener Landtafel" von Johannes Andreas Rauch von 1617. Wenn jemand noch ein M vor den Ortsnamen setzt, also sprich Medaguat oder Medahus, dann kann das nur ein Karseer und Allgäuer tun, es ist Umgangssprache und bedeutungslos. Edenhaus und Edengut liegen beide abseits einer Durchgangsstraße, sozusagen in der Einöde. Edenhaus und Edengut werden heute nicht mehr bewirtschaftet, die Landwirtschaft wurde aufgegeben.

Edenhaus wird erstmals erwähnt in einer sogenannten Papst-Urkunde von Papst Urban IV, unter dem Datum vom 25. 2. 1262; damit stellte der Papst bestimmte Orte wie

„Oedenhus" oder Odenhus, in denen das Kloster Weißenau einen Besitz hatte, unter seinen besonderen Schutz. Kloster Weißenau gehörte damals zur Diözese Konstanz.

Nach einer Urkunde vom 19. 6. 1525 lebten in Ödenhaus der Simon Sterck (Sterckh) und seine Ehefrau Ursula Frickerin (Frickherin), denen der Abt Gerwin Blarer vom Kloster Weingarten Haus und Hof als Lehen verliehen hatte. Dies bestätigt auch eine Urkunde vom 22. 12. 1533. Die Urkunden befinden sich beim Hautstaatsarchiv Stuttgart. Zu Edenhaus gehörte im 16. Jahrhundert auch ein Weiher, eigentlich ein Fischweiher des Klosters Weingarten.

Eine Besonderheit kann noch erwähnt werden, die zwischen den beiden Weilern Edenhaus und Edengut besteht, das sind die Geschlechter mit Namen „Felder". Im Jahre 1531 wohnte in Edengut ein Hans Velder oder Felder, dem das Gut gehörte. Dieser Familienname Felder bestand dort über 100 Jahre, bis wieder ein Hans Felder auf den 29. Juni 1648 aus der Leibeigenschaft des Klosters Weingarten entlassen wurde und ein anderes Geschlecht dort einzog.

In Edenhaus lebt ebenfalls ein Geschlecht der Familie Felder und zwar über 200 Jahre lang seit mindestens 1710 bis heute. Es mag der Familienforschung überlassen bleiben, weiteres zu unternehmen und eventuelle Zusammenhänge klarzustellen. Der Name Felder taucht auch noch in anderen Ortsteilen von Karsee auf.

Nach Auskunft der heutigen Besitzerin von Edenhaus wurde das alte baufällige Wirtschaftsgebäude um das Jahr 1955 abgerissen und der Stall und Stadel auf der gegenüberliegenden Hofseite neu aufgebaut. Der frühere Zustand wurde von einer Frau Hieble nach dem Krieg in einem Gemälde festgehalten.

Die Geschichte von Eggenreute (Teilort von Karsee)

 

Zu dem Weiler Eggenreute zählen heute:

1. Der sogenannte Klosterhof mit Gastwirtschaft und Wohnung sowie der Zehntstadel als ehemaligem großem Wirtschaftsgebäude

2. Das Hofgut des Siegfried Fricker als einheitlicher großer Bauernhof mit Wohnung, Stallung und Stadel

3. Das Anwesen des Hermann Rettenmaier mit Wohnhaus und separatem Stadel

Von drei Hofstellen berichtet bereits im Jahre 1589 Michael Lautherius, der Landschreiber der Landvogtei Schwaben in Altdorf (Weingarten). Er hat im Jahre 1589 die erste amtliche Beschreibung der Landvogtei geschrieben. Zu dem „Ampt umb Amptzell" zählte er damals „ 3 Höf in Eckhenreutten".

Wenn man von den vorhandenen alten Urkunden ausgeht, dann gäbe es in Eggenreute erst seit dem Jahre 1245 landwirtschaftliche Güter und Leute, also seit ungefähr 770 Jahren. In Beschreibungen wird auch eine Jahreszahl von 1155 genannt. Es ist aber bereits allgemein festgestellt worden, dass diese Jahreszahl 1155 in den entsprechenden Urkunden gefälscht worden ist. In der Urkunde vom Monat April 1245, die sich im Hauptstaatsarchiv Stuttgart im Bestand 515 Nr. 1081 befindet, wird also Eggenreute zum ersten Mal erwähnt als „Etehenruti". Aus den vielerlei Schreibweisen im Laufe der Zeit sieht man die Veränderungen bis heute.

Etehenruti

4/1245 Urku1deNr. 1081

Ethenruti

20.5.1245,Urkunde Nr. 1082

Etterhreyttin

1263, Kloster Baindt

Ethechenruti

18.8.1275, Urkunde Nr. 1084

Ethechenruti

18.4.1287, Urkunde Nr. 1087

Eckhenreuten

1589, bei Lautherius

Eckhenreithi

1619

Eckenreutin

1707

Die Schreibweise „Eggenreute" ist zumindest seit ca. 1800 mit der Einrichtung staatlicher Behörden und Oberämter einheitlich festgelegt.

Man könnte eigentlich annehmen, dass der erste Wortteil aus dem früheren Wort Etechenruti oder Etterreyttin von dem mittelhochdeutschen „Etter" herrührt, das einen Grenzzaun bedeutet, der eine Siedlung einfasst, oder für Eckenreute ebenfalls aus dem mittelhochdeutschen „egge", das eine Ecke, eine Bergnase oder einen Höhenrücken meint. Dann stünde Eggenreute für eine höher gelegene Siedlung. Andererseits kann man einen Personennamen dahinter vermuten. Auf jeden Fall steht fest, dass die Siedlung Eggenreute viel älter sein muß als die erste Namensnennung. Bei der Frage nach der Namensgebung darf man indessen nicht den bereits abgewandelten Wortteil „Egg" oder „Eggen" zu Grunde legen, sondern den viel älteren Namen „Ethechen".

Die spätere Schultheißerei Eggenreute wurde wahrscheinlich nicht vom Kloster Weingarten eingerichtet, sondern vielmehr von der damaligen Landvogtei Schwaben in Altdorf-Weingarten. In Weingarten waren einst die Welfen zu Hause. Ein Urahne dieser Welfen hatte den Namen „Eticho", der dann als Graf in Ammergau im Jahre 910 gestorben ist. Ein weiterer Eticho aus dem Welfenstamm war 982 Bischof in Augsburg. Es muss sich bei einem sogenannten Namensgeber oder Gründer nicht unbedingt um einen katholischen Heiligen handeln. Vielleicht hat also ein ehemaliger Welfe von Weingarten namens Eticho unsere Anhöhe roden lassen.

Der zweite Wortteil „ruti" oder „reythirf' bedeutet eine Rodung, die ein abgeholztes, bebaubares Landstück besagt; ein Zweifel an dieser Auslegung besteht hierzu nicht. So kann Eggenreute als Rodung des Eticho gedeutet werden. Ein anderer Personenname lässt sich schwer finden, auch nicht in einer Urkunde. Aus Etechen und Ecken ergab sich dann schließlich Eggen(reute).

Nicht unbedingt muss in Eggenreute einst eine Burg gestanden haben. Über die „Wangener Landtafel" von Johannes Andreas Rauch vom Jahre 1617 schreibt Rudolf Fesseler zu der Siedlungsgeschichte unseres Gebietes folgendes:

Als zwischen 700 und 850 die Wälder und Moore des Argen- und Laiblachtales gerodet wurden, entstanden dort „Großhöfe", häufig mit der Namensendung „wilare" (Weiler) oder „hofen", Kleinsiedlungen ohne dörflichen Zusammenhang. Im Wangener Raum waren die Einödhöfe von Anfang an landschaftsprägend.

Dieser Welfe namens Eticho, auch wenn er einmal Graf in Ammergau war, kann auf unserer fraglichen Anhöhe auch ein herrschaftliches Gut errichtet haben, das die Leute dann die des Eticho, also Etichenreute, bezeichnet haben, welches Jahrhunderte später, um 1776, zur Zehntscheuer und zum Klosterhof ausgebaut wurde. Die Aussagen zur Namensgebung und Entstehung sind indessen weiterhin Hypothesen, da bis heute keinerlei Unterlagen und Urkunden zu finden Sind. Am wahrscheinlichsten ist, dass Eggenreute auf eine welfische Person namens Eticho zurückzuñihren ist.

Dann gibt es noch den „Eggenbach", der im Reichermoos entspnngt, zwischen Siggenhaus und Eggenreute durchfließt in Richtung Amtzell.

Sein heutiger Name stammt eventuell von dem kleinen Weiler Eggen (Vogt-Eggen), weil sich dort wahrscheinlich einige Rinnsale aus dem Reicher Moor vereinigen. Mit Eggenreute hat der Name des Eggenbach sicher nichts zu tun. In der Waldburger Landtafel des Wangener Malers Johannes Andreas Rauch vom Jahre 1626 ist der Bachlauf eingezeichnet, er wird jedoch als „Mollenbach" bezeichnet in seinem ganzen Verlauf bis Amtzell. Heute wird der Eggenbach von Amtzell an als Haslach bezeichnet bis zur Einmündlng bei Engelitz in die Untere Argen.

Die Schrift, in der Eggenreute erstmals erwähnt wird, ist die Urkunde vom April 1245 (siehe oben), sie wurde in Ittendorf (im Original' Ytendorf) geschrieben, das zwischen Markdorf und Meersburg liegt. Heiligenberg, wo Graf Berthold seinen Stammsitz hatte, liegt in der Nähe. Dieser Graf Berthold von Heiligenberg (Bertoldus Comes Sacri Montis) war der Lehensherr des Gutes Eggenreute. Auf Bitten seines Schwiegersohnes, Konrad von Schmalegg, schenkte Berthold von Heiligenberg seine Güter in Eggenreute dem Zisterziensernnenkloster in Baindt. Dort konnten sie jedoch nur kurze Zeit gehalten werden und wurden nach der Urkunde vom 18. 8. 1275 an das Kloster Weingarten verkauft.

Eine weitere Urkunde vom 18. 4. 1287 (Nr. 1087) besagt, dass es in Eggenreute einen Hof „Steinhowers" gegeben hat, der an das Kloster Weingarten verkauft wurde. Nach den Unterlagen der Locke Roth von Amtzell gibt es eine Urkunde NII 1188 vom 13. 6. 1488, nach der die Brüder Steinhauser von Eggenreute sich mit dem Haslachmüller über ein Grundstück im „Gschwand" auseinander gesetzt haben. Daraus lässt sich schließen, dass es in Eggenreute seit 18. 4. 1287 ein Geschlecht namens Steinhauser gegeben hat, das dort bis zum Tode der Veronika Steinhauserin am 31. 5. 1799 bestanden hat. Am 27. 10. 1838 wurde das „Schädlersche Gut" in Eggenreute verkauft, dieses hatte einmal der Maria Schädlerin gehört, der Witwe des Amanns Peter Steinhauser. Damit endete die Dynastie der Steinhauser in Eggenreute.

Nach dem zweiten Weltkrieg folgten dann die Familie Sonntag und die Familie Fricker/Sonntag (bis heute).

Auf dem sogenannten Klosterhof kaufte sich im Jahre 1821 die Familie (Konrad) Pfau ein, die dort 100 Jahre lang blieb, bis 1928 der Klosterhof durch den Nachfolger Wilhelm Müller verkauft werden musste und der Darlehenskassenverein Amtzell das Anwesen erwarb.

Seit dem Jahre 1486 hatte Österreich, das Haus Habsburg, das Recht erworben, Landvogteien zu errichten. Nach dem Ende des Herzogtums Schwaben 1541 gab es die Vorderösterreichische Landvogtei Schwaben in Altdorf (Weingarten), damit gehörte unsere Gegend zu Österreich. Für diese Landvogteien wurden sogenannte Zinsrodel erstellt, das sind Flurlisten für die einzelnen Ämter. Der Sitz der vorderösterreichischen Regierung war Freiburg. Für unsere Gegend gab es das Amt Boschen (Vogt-Boschen) und das Amt Pfärrich und das Amt Bodnegg, später das Amt Amtzell. Im Jahre 1594 verfasste der Landschreiber Michael Lautherius eine Beschreibung der Unteren Landvogtei Schwaben in Altdorf, dies waren 15 Ämter. Bei einer weiteren Beschreibung im Jahre 1707 gab es noch kein Amt Eggenreute. Der Ort Eggenreute gehörte noch zum Amt Pfärrich. Offiziell wurde der Gemeindeverband Eggenreute am 7. 7. 1819 gegündet. Aus der Niederschrift über die Gründung ergibt sich, dass zu dieser Zeit bereits eine Schultheißerei Eggenreute bestanden hat aus:

  1. dem bisherigen Schultheiß Martin Weber aus Steppach
  2. dem bisherigen Bürgermeister Carl Felder von Englisweiler
  3. dem bisherigen Richter Georg Krenkel aus Lupmanns

Diese Personen wurden sodann wieder gewählt. Der erste Gemeinderat von Eggenreute bestand aus:

  1. Dominik Baumann von Muschen
  2. Baptist Schädler von Eggenreute
  3. Martin Weber von Steppach
  4. Karl Felder von Englisweiler
  5. Ignaz Nunnenmacher von Felber
  6. Georg Krenkel von Lupmanns
  7. Cornel Hartmann

Als im Jahre 1858 das Amt Pfärrich in das Amt Amtzell umbenannt wurde, verblieb Eggenreute wie bisher. Die Nationalsozialisten schafften es dann schließlich gewaltsam ab 1. 4. 1934, dass sich auch die Schultheißerei Eggenreute in das Amt Amtzell eingliedern ließ. Bis dahin bestand der Gemeindeverband Eggenreute aus 34 Parzellen oder Weiler.

Einen weiteren Einschnitt brachte die Neugründung der politischen Gemeinde Karsee ab 1. 10. 1952. Damit gehört Eggenreute wieder zu Karsee und die katholische Pfarrgemeinde und die politische Gemeinde Karsee wurden wieder eine Einheit.

In den Pfarr- und Orts-Chroniken von Karsee lassen sich noch ein paar Begebenheiten von Eggenreute finden:

Den 17. Januar 1909 brannte das Anwesen des Anton Sonntag in Eggenreute nieder. Den Bemühungen der Feuerwehr von Eggenreute gelang es, das Wohnhaus zu retten. Doch sie durften nicht lange auf ihren Lorbeeren ausruhen. 2 Tage später, während die Feuerwehrleute im geretteten Wohnhaus vesperten, brach im angebauten Schweinestall aufs neue Feuer aus. Die Feuerwehrmänner, voll Bestürzung, eilten zu löschen. Doch wollte es des Schicksals Tücke, dass in der Eile der Kommandant mehr mit Wasser übergossen wurde als das Feuer. Und so brannte das Wohnhaus rapide nieder. Im November 1928 wurde der wohl schönste Hof der Gemeinde (der Klosterhof), der früher den Geschwistern Pfau, den großen Wohltätern der Gemeinde und der Kirche, gehörte, infolge Leichtsinns und Übermuts und Verschwendungssucht von Wilhelm Müller, der das Anwesen von Pfau sehr billig erworben hatte, zwangsversteigert. Der Darlehensverein von Amtzell kaufte es zum Zwecke einer allgemeinen Jungviehweide.

Am 20. Oktober 1931 brannte die im Jahre 1909 neuerbaute Scheuer des Landwirts Sonntag in Eggenreute ab. Die Entstehung des Brandes: morgens 7 Uhr, Ursache: Kurzschluss. Das angebaute Wohnhaus konnte gerettet werden.

Am 4. April 1936 ging ein schweres Frühlingsgewitter über die Gemeinde nieder. Der Blitz schlug in die Scheuer des Josef Rettenmaier in Eggenreute und äscherte es ein. Nochmals ertönte im Jahre 1939 kurz vor Mitternacht am 29.August 1939 Feueralarm. Durch streunendes Pack war der Schuppen bei Bauer Sonntag-Fricker in Eggenreute angesteckt worden und brannte nieder. Materialschaden war, da erst neue landwirtschaftliche Maschinen dort untergebracht waren, sehr bedeutend.

Am Rande des Weges Oberhof — Kohlhaus (bei Albishaus) steht heute noch ein Stein mit einer Gedenktafel und der Aufschrift: Zur Erinnerung an die hundertjährige Wiederkehr der Zugehörigkeit der Gemeinde Eggenreute an das Königreich Württemberg, 22. Sept. 1806, zum Oberamtsbezirk Wangen, 27. 10. 1810. Errichtet am 16. August 1910 im Namen der Gemeindekollegien.

Schultheiss Jocham

Hie gut Württemberg allweg.